Zum Jahresanfang zeigten sich am Standort Deutschland noch erste zarte Hoffnungsschimmer: So war die Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch leicht um 0,4 Prozent gegenüber dem Zeitraum Oktober bis Dezember 2024 gewachsen. Nun sieht es so aus, als ob der zaghaften Erholung bereits die Puste ausgegangen ist.
Keine Frage, die Unsicherheit bleibt hoch. Dabei sind die zentralen Probleme schnell benannt: zu viel Bürokratie, Kostensteigerungen – insbesondere bei Energie- und Lohnkosten –, Fachkräftemangel, eine in die Jahre gekommene Infrastruktur und eine allgemein schwache Auftragslage. Darüber hinaus hat Deutschland erheblichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Das betrifft die öffentliche Verwaltung ebenso wie die Unternehmen. Last but not least belasten geopolitische Konflikte wie in der Ukraine oder dem Nahen und Mittleren Osten die Stimmung, und natürlich stellt auch die US-Zollpolitik ein großes Risiko dar.
Digitalisierung und KI sind entscheidende Standortfaktoren.
Zukunft der deutschen Wirtschaft: Viele Probleme hausgemacht
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele der heutigen Probleme hausgemacht sind. Die vielleicht größten Versäumnisse der vergangenen Jahre und Jahrzehnte liegen in der Energiepolitik und der Digitalisierung. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der notwendigen Stromnetzinfrastruktur wurde viel Zeit vergeudet. Die Abhängigkeit von Importen fossiler Energien erwies sich als gravierender Schwachpunkt. Offen zutage trat dies mit dem Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine und dessen Folgen für die Gasimporte aus Russland nach Deutschland.
Im Bereich der Digitalisierung, speziell bei der digitalen Verwaltung, hinkt Deutschland im europäischen Vergleich immer noch hinterher. Während in anderen Ländern Behördengänge mit wenigen Klicks erledigt werden können, scheitern hierzulande viele Prozesse an komplizierten Formularen oder bestehenden Kommunikationsbarrieren zwischen Behörden. Dies kostet Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen. Dabei sind Digitalisierung und inzwischen auch KI entscheidende Standortfaktoren. So kann KI dabei helfen, etwa Prozesse in der Produktion zu optimieren, Medikamente zu entwickeln oder Energienetze intelligent zu steuern.
Damit dies gelingt, braucht es jedoch mehr Investitionen in Forschung, Rechenkapazitäten und digitale Bildung. Förderungen für solche Zukunftsprojekte sind in Deutschland zwar vorhanden, aber die Zugänge dahin oft kompliziert. Ein Dickicht aus Förderprogrammen von Bund, Ländern und EU überfordert viele, vor allem innovative Start-ups. Eine Vereinfachung und Beschleunigung der Abwicklung wären ein großer Gewinn.