Nahaufnahmen von Halbleiterwafern

Regionale Wirtschaftsförderung

Das eigene Profil schärfen

Hightech-Chips aus Dresden, Autos aus Wolfsburg oder Stuttgart, Technologie aus München, Kohle aus dem Pott – die deutschen Regionen haben sich wirtschaftlich ganz unterschiedlich ausgerichtet. Wichtig ist dabei immer: die eigenen Stärken zu kennen und auszuspielen und das Profil zu schärfen. Und natürlich gilt es, den Strukturwandel nicht aus den Augen zu verlieren und die Wirtschaft der eigenen Region zukunftsfähig aufzustellen.

Erschienen in

Standort Deutschland

am 22. September 2025 in „Handelsblatt“
Zugegeben: Die Schlagzeilen klingen oft wenig ermutigend. Marode Brücken, lahmes Netz, hohe Energiepreise – und dazu noch eine Bürokratie, die immer mehr blockiert. Auch die zunehmende Steuer- und Abgabenlast lähmt die Wirtschaft, während die demografische Entwicklung mehr...
Datenanalyst bei der Arbeit
Bild: iStock / Getty Images Plus / AndreyPopov

Das Herz der europäischen Halbleiterproduktion schlägt in Ostdeutschland – so äußerte sich Carsten Schneider, seinerzeit Ostbeauftragter der Bundesregierung, heute Umweltminister, als der taiwanesische Chipkonzern TSMC ankündigte, seinen ersten europäischen Standort in Dresden zu errichten. Doch nicht nur TSMC glaubt an den Standort; auch Infineon und Bosch investieren massiv in ihre Werke in der Region. Dresden gilt als Zentrum der Mikroelektronik. Das liegt auch daran, dass die Stadt seit Jahrzehnten auf gezielte Clusterbildung setzt: Hochschulen, Forschungsinstitute wie das Fraunhofer-Institut und zahlreiche Mittelständler bilden ein dichtes Ökosystem, das Fachkräfte anzieht und Innovationen fördert. Zum anderen unterstützt die sächsische Landespolitik den Hightech-Standort durch gezielte Fördergelder, Infrastrukturprojekte und internationale Vernetzung. Die Kombination aus starker Wissenschaftslandschaft, passgenauer regionaler Wirtschaftsförderung und klarer Profilierung als „Silicon Saxony“ macht Dresden zum Magneten für Zukunftsinvestitionen. Dresden zeigt, wie wichtig es ist, regionale Wirtschaftsförderung strategisch auszurichten. Regionen können nicht alles gleichzeitig sein – sie müssen auf ihre besonderen Stärken setzen, um ein klares Profil zu entwickeln, das national wie international sichtbar wird. Wirtschaftsförderung bedeutet daher weit mehr als die Vergabe von Subventionen. Sie muss Standorte aufbauen, in denen Unternehmen Fachkräfte, Zulieferer und Forschungspartner finden. Gleichzeitig geht es darum, die Schwächen einer Region zu erkennen und zu beheben – sei es ein Mangel an Infrastruktur, zu wenig Breitband oder fehlender Wohnraum für Fachkräfte. Richtig eingesetzt, schafft Wirtschaftsförderung Wertschöpfung vor Ort, bindet Unternehmen an die Region und eröffnet die Chance, in globalen Zukunftsmärkten mitzuspielen.

Großer Bagger im Einsatz im Kohlebergwerk
Bild: iStock / Getty Images Plus / Lukassek

Regionale Wirtschaftsförderung: Die Zukunft im Blick

Doch nicht nur die Gegenwart, auch die Zukunftsfähigkeit muss stets im Blick bleiben. Strukturwandel ist unausweichlich – und wer ihn verschläft, zahlt einen hohen Preis. Das zeigt der Ruhrpott: Jahrzehntelang lebten die Menschen im Pott gut von Kohle und Stahl, doch als diese Industrien schrumpften, fehlte lange Zeit eine klare Strategie für neue Beschäftigungsfelder. Die Folge: Mehr und mehr Arbeitsplätze verschwanden, Fachkräfte wie Unternehmer wanderten ab, diejenigen, die blieben, wurden zunehmend pessimistischer. Ein langwieriger Anpassungsprozess begann. Ein ähnliches Bild zeigt sich derzeit in der Lausitz, wo der Kohleausstieg ganze Regionen zum Umdenken zwingt. Werden Alternativen nicht rechtzeitig aufgebaut, droht ein Vakuum, das die wirtschaftliche Substanz aushöhlt und soziale Spannungen verstärkt.

Doch Strukturwandel kann auch eine Chance sein. Nordrhein-Westfalen etwa hat in Teilen gelernt, sich neu zu erfinden: Heute zählt das Land nicht mehr nur Kohle und Stahl, sondern auch Energiewende, Wasserstoffwirtschaft und innovative Dienstleistungen zu seinen starken Wirtschaftsfeldern. Alte Industrieflächen wurden umgebaut, Start-ups und Forschungseinrichtungen siedelten sich an. Solche Beispiele zeigen: Wenn Politik, Wirtschaft und Wissenschaft frühzeitig zusammenarbeiten, lassen sich selbst aus tiefen Strukturbrüchen neue Wachstumsfelder entwickeln.

Am Ende ist regionale Wirtschaftsförderung ein Drahtseilakt zwischen Gegenwart und Zukunft. Sie muss bestehende Stärken erkennen, schärfen und ausbauen, gleichzeitig aber auch die Transformation im Blick behalten. Für Deutschland als Wirtschaftsstandort bedeutet das: Ohne gezielte Förderung vor Ort und ohne regionale Profile in einer globalisierten Welt bleiben viele Chancen ungenutzt. Dresden mag heute das Herz der europäischen Halbleiterindustrie sein – entscheidend ist, dass auch andere Regionen ihre eigenen Herzensthemen finden.