Das Grundstück ist gefunden, die Finanzierung steht. Zeit, sich mit der Bauplanung zu befassen – eine der spannendsten, aber zugleich auch schwierigsten Aufgaben, gerade wenn das Haus nachhaltig gebaut werden soll. Klar tragen Photovoltaikanlage, gedämmte Fassaden und dreifachisolierte Fenster dazu bei, legt man jedoch die gängige Definition zugrunde, betrifft Nachhaltigkeit aber auch die Bereiche Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.
Minimalistisch, aber effizient für eine nachhaltige Bauweise
Beim nachhaltigen Bauen wird der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes unter die Lupe genommen. Heißt: Gebäude sind dann besonders klimafreundlich, wenn die Baustoffe kaum Ressourcen bei Herstellung und Zusammenfügung benötigen, die Gebäude lange genutzt und am Ende wieder rückgebaut oder recycelt werden können. Wer nachhaltig bauen will, richtet den Fokus auf eine möglichst hohe Effizienz im Umgang mit Ressourcen. Zudem sollten die Auswirkungen auf Boden, Wasser, Klima und Luft so minimal wie möglich sein. Auch wenn es keine Verpflichtung ist, müssen der Bau und Betrieb von Gebäuden nachhaltiger werden, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. So lautet die zentrale Schlussfolgerung einer im vergangenen Juli veröffentlichten Studie der Forschungsinstitute Prognos und IAO sowie der Technischen Universität München. Immerhin sind rund 40 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen auf den Gebäudesektor zurückzuführen. Angesichts der Tatsache, dass der Bausektor zu den Branchen gehört, welche die größten Ressourcen verschleißen, mahnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, effizienter zu bauen und die Kreislaufwirtschaft vermehrt im Blick zu haben. Bedeutet: konsequent recycelte Materialien einzusetzen.
Abbruchbeton: zukünftiger Star?
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Forschende der FH Campus Wien. Da schätzungsweise etwa sieben Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen aus der Herstellung und Verwendung von Zement stammen, haben sie an einem ganz neuen Verfahren der Betonherstellung gearbeitet, wobei Abbruchbeton eine zentrale Rolle spielt. Dass Abbruchbeton CO₂ speichert, ist bereits bekannt. Nun soll jedoch zum Schutz des Klimas die Speicherfähigkeit weiter erhöht werden. Hierfür wird Abbruchbeton in eine Kammer gesteckt und bei 40 Grad mit konzentriertem CO₂, das als Nebenprodukt von Industrieprozessen anfällt, durchströmt. Dauert die CO₂-Aufnahme normalerweise pro Millimeter Jahre, vergehen bei dem neuartigen Verfahren nur ein bis zwei Stunden. Den Forschenden zufolge kann dieser mit CO₂ angereicherte und wiederverwertete Beton bei einer Vielzahl an Bauwerken eingesetzt werden. Bis dieses Verfahren jedoch in Serie geht, wird noch weitere Forschungsarbeit notwendig sein.