Der stationäre Einzelhandel wird immer digitaler – auch in Sachen Ausbildung. Abiturienten und Hochschulabsolventen können sich in einem dualen E-Commerce-Studium oder Traineeships auf die neuen Herausforderungen der Online-Welt spezialisieren. Internetshops sind eine starke Konkurrenz, der die Händler nun mit kompetentem Personal entgegentreten wollen. Wer sich für diesen Qualifizierungsweg entscheidet, ist dank digitaler Expertise besonders gefragt und kann auf eine steile Karriere hoffen. Zumal nicht nur der Einzelhandel um die digitalen Köpfe von morgen buhlt.
Fachkräftemangel hebt Gehaltsniveau
Vor allem Akademiker fehlen, die den Umgang mit IT-Systemen und mobilen Bezahlverfahren beherrschen – so geht es aus der „Fachkräftestudie für Deutschland“ aus dem Jahr 2016 hervor, die das Beratungsunternehmen PwC zusammen mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR veröffentlicht hat. Entgegen dem gängigen Vorurteil, dass der Handel schlecht zahle, bieten die Arbeitgeber immer höhere Gehälter für frische Uni-Absolventen. Einstiegsgehälter seien für junge Akademiker im Einzelhandel zum großen Teil Verhandlungssache, sagt Thomas Friedenberger vom Staufenbiel Institut in Köln. „Wenn ein Unternehmen dringend Absolventen sucht, haben Bewerber einen großen Spielraum und können auf höhere Gehälter pokern“.
Kernkompetenz: Sozial und digital
Es braucht gewisse Kernkompetenzen, um als Akademiker in dem sich digitalisierenden Einzelhandel Karriere zu machen. Grundvoraussetzung sind Wirtschaft und Informatik. Wer also Wirtschaftsinformatik oder BWL mit einer technischen Spezialisierung studiert hat, werde mit offenen Armen von der Branche aufgenommen, meint Friedenberger.
Bewerber können auf höhere Gehälter pokern.
Ein Traineeship im Einzelhandel, das sich an ein Studium anschließt, eigne sich am besten, um in die Branche einzusteigen. In den ein bis zwei Jahren lernen die Absolventen die verschiedenen Abteilungen kennen und werden zu den Führungskräften von morgen ausgebildet. Danach können sie beispielsweise eine Weiterbildung zum Chief Digital Officer machen und innerhalb von fünf bis zehn Jahren in die Manageretage des Unternehmens aufsteigen.
Störenfried Generalist
Für diesen Beruf genügt aber nicht nur Technologiewissen. Chief Digital Officer sind Generalisten. Sie müssen gute Strategieentwickler sein, Führungs-Kompetenzen aufweisen und sozial veranlagt sein. Wegen seiner weitgreifenden Kompetenzen, Unternehmensprozesse umzuwälzen, nehmen viele den Chief Digital Officer als Störenfried wahr. Denn er stelle im Unternehmen alles gerne auf den Kopf, um es ins digitale Zeitalter zu führen. Unternehmen dürfen sich deshalb dieser neuen Art des Managements nicht verschließen.