Rund 130.000 Brücken gibt es im Land, etwa 5.000 davon sind laut Bundesverkehrsministerium dringend reparaturbedürftig oder müssen neu gebaut werden. Laut einer Studie der Verkehrs-NGO Transport & Environment sind etwa 16.000 Brücken bundesweit in einem bedenklichen Zustand. Und: Allein Ersatzneubauten würden rund 100 Milliarden Euro kosten. Auch das Straßennetz ist in einem erbärmlichen Zustand. Der Sanierungsbedarf allein bei Fernstraßen beträgt aktuell fast 25.000 Kilometer. Rund 11.000 Kilometer davon entfallen auf Autobahnen. Nicht besser sieht es auf der Schiene – und auch hier gerade bei Brücken – aus. Nach einer Schätzung der Deutschen Bahn (DB) sind 1.160 Bahnbrücken in einem Zustand, der einen Neubau erfordert. Bis 2029 will die Bahn insgesamt 2.000 Brücken modernisieren. Die Gründe für den Verfall sind bekannt. Ein seit vielen Jahren verschleppter Investitionsstau ist die zentrale Ursache. So liegen allein die kommunalen Rückstände laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) 2025 bei rund 216 Milliarden Euro.
Investitionsstau nicht nur auf der Straße
Doch nicht nur auf Straßen und Brücken macht sich der Investitionsstau bemerkbar: Auch bei der digitalen Infrastruktur hinkt Deutschland hinterher. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) beklagen inzwischen mehr als ein Viertel der Unternehmen, dass der schnelle Internetzugang vor Ort nicht ausreichend sei. Gleiches gilt für digitale Behördenleistungen.
Viele Probleme werden durch die föderalen Strukturen in Deutschland noch verstärkt. So arbeiten Städte, Länder und Bund oft isoliert. Unkoordinierte Zuständigkeiten bei Planung und Umsetzung wirken vielfach als Bremsklötze.
Nicht nur auf Straßen und Brücken macht sich der Investitionsstau bemerkbar.
Milliarden für die Infrastruktur
Die neue Bundesregierung will nun der Infrastrukturmisere mit einem 500 Milliarden Euro schweren „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ zu Leibe rücken. 100 Milliarden davon sollen für Investitionen der Länder bereitstehen, weitere 100 Milliarden für den Klimaschutz. Die restlichen 300 Milliarden Euro bekommt der Bund für zusätzliche Investitionen etwa in die Verkehrs-, Energie-, Krankenhaus-, Bildungs- und Wissenschaftsinfrastruktur, in den Zivil- und Bevölkerungsschutz, die Digitalisierung sowie für Forschung und Entwicklung.
Eines ist klar: Es ist höchste Eile geboten, denn eine moderne Infrastruktur ist für ein Industrieland wie die Bundesrepublik unabdingbar. Sie sichert Wirtschaftskraft, Innovationsfähigkeit, Lebensqualität und Klimaziele. Ohne sie droht Deutschland auf Dauer der Verlust seiner Wirtschaftskraft.