Es ist ein Paradox: Deutsche Forscher und Unternehmer erfinden die Zukunft, das Geschäft aber machen andere. Beispiel Chatbots: Während Forscher der Uni Kaiserslautern bereits 2008 Chatbot-Prototypen entwickelten, streichen heute US-Konzerne die Gewinne ein. Und das ist kein Einzelfall. Vielmehr wiederholt sich dieses Muster immer wieder – ob bei Kleinbildkameras, mRNA-Technologie oder Softwareanwendungen: Deutsche Wissenschaftler liefern oft die Grundlagen, während US-Unternehmen mit mehr Risikokapital, besserem Zugang zu Märkten und aggressiverem Marketing die großen Gewinne einfahren. [1]
Klar ist: Erfindergeist und Innovationskraft gehören zur DNA der deutschen Wirtschaft. Allerdings hat die Innovationskraft zuletzt aus vielfältigen Gründen nachgelassen, und dies besorgt Unternehmer wie Wirtschaftsforscher gleichermaßen. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt im Kern von unserer Innovationsfähigkeit ab“, sagt Siegfried Russwurm, bis 2025 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Die Unternehmen investieren in Innovation, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Dazu gehören für Russwurm niedrigere Energiepreise, effiziente Verwaltungsverfahren und wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern. Ebenso wichtig sind für ihn mutige Schwerpunktsetzungen bei der staatlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung, bessere Start-up-Bedingungen und eine kluge Annäherung von ziviler und militärischer Forschung. Doch bei all dem hapert es hierzulande gegenwärtig.