Geschäftsmann, der über ein Tablet-Gerät im Internet surft, auf dem ein Holograph eines Gehirn erscheint

Industrielle Digitalisierung

Viel Potenzial, viele Hindernisse

Künstliche Intelligenz, Robotik und vernetzte Produktion verändern die Industrie tiefgreifend. Dabei hat Deutschland gute Chancen, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Allerdings gilt es, die Digitalisierung und Automatisierung konsequent und schnell durchzuführen.

Erschienen in

Next Economy

am 15. Dezember 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Was ist eigentlich diese „Next Economy“? Im Kern ist sie die Idee einer Wirtschaftsweise, die nicht länger auf Kosten von Klima, Ressourcen und sozialem Zusammenhalt wächst, sondern stattdessen Wohlstand, Fairness und ökologische Grenzen zusammen denkt. Es geht um eine...

Digitalisierung und Automatisierung sind mittlerweile keine netten Extras mehr, sondern haben sich zu zentralen Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie entwickelt. Unternehmen, die sich dieser Werkzeuge nicht bedienen, geraten gegenüber ihren Konkurrenten zunehmend ins Hintertreffen. Das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz beispielsweise werden von etwa 90 Prozent der deutschen Unternehmen als „wettbewerbsentscheidend“ betrachtet, hat der Digitalverband Bitkom in einer Befragung ermittelt. 

In den nächsten zehn Jahren wird der Einsatz künstlicher Intelligenz immer selbstverständlicher werden – in allen Bereichen der Produktion, von der Buchhaltung bis zur Prozesssteuerung in smarten Fabriken. Ein weiterer Trend ist die zunehmende Bedeutung kollaborativer Roboter, die anders als klassische Industrieroboter gemeinsam mit Menschen arbeiten.

 

90 Prozent der deutschen Unternehmen betrachten künstliche Intelligenz als wettbewerbsentscheidend.

Industrielle Digitalisierung: Der Stand der Dinge

Die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft kommt voran, allerdings keineswegs gleichmäßig: Große Unternehmen und bestimmte Branchen – allen voran die Informations- und Kommunikationstechnologie, Elektrotechnik sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau – haben laut dem Digitalisierungsindex des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bereits einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht. Kleinere Unternehmen dagegen und bestimmte andere Branchen wie das sonstige verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe sind wesentlich weniger digitalisiert.

Geschäftsperson sitzt vor Laptop, auf dem sich Holograph mit Balkendiagram und Pfeil nach oben Richtung
iStock / Getty Images Plus / hirun

Internationaler Vergleich

Im EU-Vergleich schneidet Deutschland dem Bitkom-DESI-Index zufolge nur durchschnittlich ab. Insgesamt erreicht die Bundesrepublik dort den 14. Platz unter den 27 Mitgliedsstaaten. Im Bereich Digitale Transformation von Unternehmen kommt Deutschland immerhin auf Platz 8, bei der Qualität der digitalen Infrastruktur auf Platz 9. Weniger bewundernswert sind der 15. Platz im Bereich digitale Kompetenzen der Bevölkerung sowie der 21. Platz bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.

Daraus ergibt sich auch, was die deutsche Wirtschaft benötigt, um den digitalen Wandel erfolgreich gestalten zu können: höhere staatliche Investitionen in die digitale Infrastruktur, stärkere Modernisierungsbereitschaft bei kleineren Unternehmen, Bürokratieabbau und eine Bildungsoffensive zur Behebung des Fachkräftemangels.

Roboter bedient Laptop
Kollaborative Roboter unterstützen menschliche Arbeitskräfte. Bild: iStock / NanoStockk

Arbeitswelt im Wandel

Digitalisierung und Automatisierung verändern sowohl die Menge als auch die Art der Arbeit: Routineaufgaben werden vermehrt automatisiert, also nicht mehr von Menschen ausgeführt. Andererseits entstehen neue Tätigkeiten beispielsweise in den Bereichen Datenanalyse, Maschinen- und KI-Überwachung, Software-Integration und Prozesssteuerung. Gefragt sind bei den Mitarbeitenden häufiger Fähigkeiten in IT- und mathematischen Bereichen sowie mehr interdisziplinäre Kompetenz. Die Anforderungen an die Qualifikationen werden also höher. Dadurch steigt die Bedeutung des lebenslangen Lernens und der innerbetrieblichen Weiterbildung.

Konkret wird einer Studie des McKinsey Global Institute zufolge durch Automatisierung die Anzahl der Arbeitsplätze in der Produktion, im Kundendienst und im Vertrieb bis 2030 deutlich zurückgehen. Die Anzahl der Arbeitsplätze in MINT-Berufen, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, sowie im Gesundheitswesen dagegen wird merkbar steigen. Insgesamt wird dies voraussichtlich jedoch nicht zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen führen: Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden in Deutschland bis 2040 aufgrund des mit der Digitalisierung einhergehenden Strukturwandels zwar 2,1 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig aber 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.