Obst und Gemüse, Fleisch und Milchprodukte, das alles soll bio sein; fair produziert, regional und ökologisch nachhaltig und natürlich sollen die Tiere ein angenehmes Leben haben. So zumindest wünschen es sich die Verbraucher. Das käme auch dem Planeten zugute. Denn pro Hektar Anbaufläche fallen beim Bio-Landbau weniger Treibhausgasemissionen an. Zudem wird weniger Wasser verbraucht. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Der Ertrag ist geringer.
Die Landwirtschaft steht jedoch weltweit unter Druck. Immer mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse müssen produziert werden, denn die Zahl der Menschen auf diesem Planeten wächst immer weiter. Gibt es heute gut sieben Milliarden Erdenbürger, werden es bis 2050 schon fast zehn Milliarden sein. Bereits jetzt leiden nach Angaben der Welthungerhilfe weltweit 815 Millionen Menschen an chronischem Hunger – ihnen stehen weniger als 1.800 Kilokalorien pro Tag zur Verfügung. Zum Vergleich: Jeder Deutsche kann im Schnitt täglich mehr als 3.500 Kilokalorien zu sich nehmen.
Agrarprodukte immer begehrter
Die globale Nachfrage nach Agrarprodukten wird in den kommenden drei Jahrzehnten noch einmal um etwa 50 Prozent zunehmen. Das hängt nicht nur mit der wachsenden Weltbevölkerung zu sammen, sondern auch mit dem steigenden Wohlstand. In Schwellenländern können sich immer mehr Menschen ressourcenintensivere Produkte wie Fleisch und Käse leisten. Zudem steigt die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht als Nahrungsmittel verzehrt werden: So werden beispielsweise Zuckerrohr oder Palmöl zur Herstellung von Biokraftstoffen genutzt, Mais wird zu Biogas verwertet.
Extremwetter nehmen zu
Dem Nachfragewachstum stehen die Herausforderungen, denen die Landwirtschaft durch den Klimawadel ausgesetzt ist, ge genüber. Auch in Deutsch land bekommen die Bauern vermehrt extreme Wetterbedingungen zu spüren. Seit dem Jahr 1901 haben die Dürren hierzulande stetig zugenommen. Und nach den Modellrechnungen der Klimaforscher ist künftig mit noch mehr heißen Tagen und Hitzeperioden zu rechnen.
„Wir haben in den vergangenen Jahren eine Häufung klimatologischer Rekorde erlebt, die sich in der Summe nur mit dem Klimawandel erklären lassen. Damit nehmen auch Extremereignisse zu“, erklärt Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes. Den vermehrten Dürreperioden stehen häufiger Unwetter und Starkregen gegenüber, die ebenfalls ein Problem für die Landwirtschaft darstellen. Allein in den zwei Wochen zwischen Ende Mai und Anfang Juni 2018 wurden mehr als 3.000 Unwetterwarnungen herausgegeben – eine bislang unerreichte Zahl.
Für Bauern ergeben sich daraus vielfältige Problemfelder. Hitze und Trockenheit schaden nicht nur dem Getreide. Auch selbstproduziertes Futter wird knapper. Milde Winter und häufigerer Kahlfrost setzen den Böden zu. Außerdem profitieren Schädlinge und Unkräuter von den milderen Temperaturen im Winter. Immer wärmere Frühjahre lassen die Obstbäume und Weinreben dagegen früher erblühen – kommt dann noch einmal ein Wintereinbruch, erfrieren die Blüten.
Hoffnungsträger Digitalisierung
Die Landwirtschaft wird in dieser Gemengelage zur Höchstleistung ge trieben. Sie muss die Qualität steigern und die Erträge maximieren. Dies erfordert Know-how in den unterschiedlichsten Bereichen. Längst ist der Landwirt dabei auch zum Betriebswirt und zum Ingenieur geworden. Höfe müssen mit kaufmännischer Exzellenz geführt werden. Immer stärker kommt es darauf an, mit den richtigen finanziellen Instrumenten den diversen Risiken vorzubeugen. Von der eigenen Energieversorgung bis zur Organisation des Bürobetriebs muss darüber hinaus höchst effizient gewirtschaf tet werden.
Und es gilt zu investieren: Die Indus trie bietet moderne und digitale Agrartechnik an, die nicht nur Kapital, sondern auch technische Expertise in der Anwendung erfordern. Smart und Precision Farming, Drohnen und ferngesteuerte Landmaschinen, vor allem aber die Nutzung von Klima- und Wetterdaten durch Big Data gelten als Wundermittel im Kampf gegen den Klimawandel und für höhere Erträge. Die Digitalisierung ist damit auch zum Hoffnungs träger der Landwirtschaft in Zeiten wachsender Herausforderungen geworden. Laut dem aktuellen Situ ationsbericht des Deutschen Bauernverbandes wurde 2016 in Deutschland Landtechnik im Wert von 5,1 Milliar den Euro verkauft. Für das vergangene Jahr werden die Ausgaben sogar auf 7,6 Milliarden Euro geschätzt.
Den Fokus der gegenwärtigen technologischen Entwicklung hat der Verband in der Vernetzung von Arbeitsprozessen mittels elektronischer Steuerung und dem Einsatz von Datenmanagementsystemen ausgemacht. Dass die deutsche Landwirtschaft es versteht, aus solchen Investitionen Vorteile zu erzeugen, zeigt diese Zahl: Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Sektor in Deutschland seine Produktivität in den vergangenen 20 Jahren um 61 Prozent gesteigert – das ist mehr als die deutsche Wirtschaft insgesamt. Dort stieg die Produktivität nur um 43 Prozent.