Laptop mit Holograph aus Icons der Digitalsierung zum Thema E-Government
Deutschland hat im Bereich E-Government einiges aufzuholen. iStock / Sandwish

Digitale Verwaltung

Warum Deutschland beim E-Government hinterherhinkt

Digitale Steuererklärungen, Online-Kindergeldanträge oder Wohnsitzummeldungen: In der digitalen Verwaltung ist in den vergangenen Jahren schon einiges passiert. Auch die Zufriedenheit mit digitalen Verwaltungsangeboten hat sich etwas erhöht. Doch noch hinkt Deutschland beim E-Government im EU-Vergleich hinterher. Gründe dafür sind bürokratische Hürden, strenge Datenschutzbestimmungen, aber auch ein mangelndes Vertrauen der Bürger in die Verwaltung.

PW
· 2025
Erschienen in

Standort Deutschland

am 22. September 2025 in „Handelsblatt“
Zugegeben: Die Schlagzeilen klingen oft wenig ermutigend. Marode Brücken, lahmes Netz, hohe Energiepreise – und dazu noch eine Bürokratie, die immer mehr blockiert. Auch die zunehmende Steuer- und Abgabenlast lähmt die Wirtschaft, während die demografische Entwicklung mehr...

Digitale Steuererklärungen, Online-Kindergeldanträge oder Wohnsitzummeldungen: In der digitalen Verwaltung ist in den vergangenen Jahren schon einiges passiert. Auch die Zufriedenheit mit digitalen Verwaltungsangeboten hat sich etwas erhöht. Doch noch hinkt Deutschland beim E-Government im EU-Vergleich hinterher. Gründe dafür sind bürokratische Hürden, strenge Datenschutzbestimmungen, aber auch ein mangelndes Vertrauen der Bürger in die Verwaltung.

Dass es noch Nachholbedarf in Sachen digitaler Verwaltung gibt, belegen Zahlen des neuen Bitkom-DESI-Indexes für 2025, der den Digitalisierungsfortschritt der 27 EU-Länder vergleicht. Die ernüchternde Bilanz: In der Gesamtbewertung konnte sich Deutschland zwar auf den 14. Platz verbessern. Beim E-Government landet die Bundesrepublik im EU-Ranking aber nur auf Rang 21 von 27 Ländern. Nur Frankreich und Italien schnitten in Westeuropa noch schlechter ab. Die Nutzung digitaler Verwaltungsdienstleistungen liegt demnach mit 64 Prozent mehr als zehn Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt. Den ersten Platz beim E-Government belegt Malta, dahinter folgen Estland und Finnland. Auch im Gesamtranking schnitt Finnland am besten ab, gefolgt von Dänemark und den Niederlanden. Beispielhaft für die langsame Digitalisierung der deutschen Verwaltung ist die schleppende Einführung der E-Akte.

 

Einige Angebote, wie der Online-Kindergeldantrag, werden bereits genutzt.

Digitale Verwaltung: Akzeptanz schaffen

Hinzu kommt, dass selbst bestehende digitale Verwaltungsangebote nicht allen Bürgern bekannt sind. Laut dem eGovernment-Monitor, den die Initiative D21 und die Technische Universität München unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) vergangenes Jahr veröffentlicht haben, wählen drei von zehn Deutschen nach wie vor den analogen statt den digitalen Weg. Viele schrecken auch vor der Eingabe ihrer Daten und dem Online-Ausweisverfahren zurück, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Einheitliche und bedienungsfreundliche Anwendungen sowie konkrete Informationen darüber, was mit den eingegebenen Daten passiert, könnten für mehr Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung sorgen. Einige Angebote, wie etwa der Online-Kindergeldantrag, werden hingegen bereits von einem Großteil genutzt.

Digitalen Fortschritt fördern

Um das E-Government schneller voranzubringen und die Verwaltung aus dem Papierzeitalter herauszuholen, fordert der Verband Bitkom die Abschaffung der Schriftformerfordernisse per Generalklausel sowie eine gesetzliche Verankerung des sogenannten Once-Only-Prinzips. Ersteres würde digitale Vorgänge enorm beschleunigen. Darauf zielt auch das Once-Only-Prinzip ab, das es Bürgern und Unternehmen ermöglichen soll, Standardinformationen, wie etwa Gehaltsnachweise, nur noch einmalig an die Behörden zu übermitteln. Diese könnten dann auf die ihnen ohnehin vorliegenden Dokumente zurückgreifen.