Deutschlands Unternehmen tun sich schwer, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Einer Bitkom-Befragung unter 603 Unternehmen zufolge sehen 46 Prozent der Interviewten ihr Geschäftsmodell durch die Digitalisierung verändert. Aber nur 16 Prozent fällt die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle leicht oder eher leicht; mehr als die Hälfte tun sich schwer, und fast ein Drittel entwickeln überhaupt keine digitalen Geschäftsmodelle.
Digitalisierung als Rückgrat der Next Economy
Die Gefahr ist groß, dass viele Unternehmen damit ihre Zukunftsfähigkeit verspielen und den Anschluss an die Next Economy verpassen. Denn die Herausforderungen von morgen sind ohne Digitalisierung nicht zu bewältigen. Daten werden zum zentralen Produktionsfaktor, Plattformen und Ökosysteme ersetzen lineare Lieferketten. Wer seine Prozesse, Produkte und Kundenbeziehungen nicht konsequent digitalisiert, verliert die Grundlagen, die im Wettbewerb um globale Märkte nötig sind. Digital-Themen wie Big Data, Internet of Things, Virtual und Augmented Reality bieten dagegen Möglichkeiten, mit innovativen Produkten und Services neue Märkte zu bedienen oder die Konkurrenzfähigkeit im bestehenden Kundenumfeld zu verbessern. Autonome Systeme steigern die Effizienz in den Geschäftsprozessen.
Digitale Geschäftsmodelle: KI verschiebt die Grenze
Mächtige Hebel für die Neuorganisation der Wertschöpfung, die Steigerung der Produktivität sowie die Reaktion auf den Fachkräftemangel sind künstliche Intelligenz und Automatisierung. KI verschiebt die Grenze zwischen menschlicher und maschineller Arbeit. Sie übernimmt Mustererkennung, Prognosen und Routineentscheidungen – der Mensch konzentriert sich idealerweise auf Kreativität, Beziehung und Strategie.
Wir müssen digitale Technologien schneller in die Anwendung bringen.
Dass Unternehmen zögerlich sind, passt ins Bild. „Wir müssen digitale Technologien schneller in die Anwendung bringen. Eine Schlüsseltechnologie wie künstliche Intelligenz hat enormes Potenzial und verändert die Wettbewerbssituation ganzer Branchen – loslegen, ausprobieren und machen sollte unser Ansatz sein“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Zugleich schwingt die Sorge mit: Viele Manager erwarten massive Veränderungen von Geschäftsmodellen, manche sogar eine existenzielle Bedrohung. Genau diese Ambivalenz ist typisch für Transformationsphasen und hemmt vielfach den Entwicklungsprozess.
Wie die Wirtschaft fit für morgen wird
Um die Next Economy aktiv zu gestalten, brauchen Unternehmen klare Strategien und politischen Rückenwind. Auf Unternehmensebene zählt: konsequent in Automatisierung und KI investieren, Daten nutzbar machen, Mitarbeitende qualifizieren, Innovationskulturen zulassen und Kooperationen jenseits klassischer Wertschöpfungsketten eingehen. Auf volkswirtschaftlicher Ebene geht es um verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Planungsprozesse, attraktive Bedingungen für Tech-Talente und einen Kapitalmarkt, der Wachstumsideen finanziert.