Die deutsche Wirtschaft kommt nur sehr langsam auf Touren. Trotz Aussicht auf das milliardenschwere Programm für die Infrastruktur hebt etwa die Bauindustrie ihre Prognose aus dem Januar nur minimal an. So erwartet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) in diesem Jahr für das Bauhauptgewerbe weiterhin einen Umsatzrückgang von minus ein Prozent. Grund hierfür ist etwa die vorläufige Haushaltsführung des Bundes, wodurch gerade im Bundesfernstraßenbereich seit neun Monaten keine neuen Projekte an den Markt kommen. Auch im Wohnungsbau kommt es erst sehr langsam zu einer Wiederbelebung. Diese Prognose decke sich mit den Ergebnissen einer brancheninternen Konjunkturumfrage des HDB: 31 Prozent der teilnehmenden Unternehmen erwarten, dass der eigene Umsatz 2025 im Vergleich zu 2024 zurückgehen wird. Dennoch gehen 60 Prozent trotz der schwachen Umsatz- und Ertragserwartungen davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten im Unternehmen gleichbleiben werde.
Die Bauwirtschaft ist ein zentraler Wirtschafts- und Innovationsmotor.
Wirtschaft wird angekurbelt
Klar muss sein: Die Bauwirtschaft ist nicht nur Erfüllungsgehilfe, sondern ein zentraler Wirtschafts- und Innovationsmotor. Jeder Euro, der in den Bau investiert wird, zieht nach Angaben der Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) einen starken wirtschaftlichen Folgeeffekt nach sich, etwa im Handwerk, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor. Insgesamt hätte eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen um 500 Milliarden Euro laut Berechnungen des DIW zur Folge, dass die Wirtschaftsleistung in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich mehr als zwei Prozent pro Jahr höher läge als ohne die Erhöhung. Nach einer Anlaufphase wären die größten Anstiege der Wirtschaftsleistung für die Jahre 2028 und 2029 zu erwarten. Dazu kommt: Investitionen in den Bau sind Investitionen in die Klimastabilität, Standortattraktivität und soziale Balance.
Bauwirtschaft aktuell: Sanierung stärken
Mindestens ebenso wichtig wie Neubauten ist die Instandsetzung der bestehenden Infrastruktur. Rund 30 Prozent der Autobahnen gelten laut des Bundesverkehrsministeriums als sanierungsbedürftig. Kaputte Brücken wie die Talbrücke Rahmede an der A45 oder auf der stark frequentierten Stadtautobahn A100 in Berlin zeigen, wie empfindlich unser Verkehrsnetz auf Ausfälle reagiert.1 Dazu passt eine im April 2025 veröffentlichte Auswertung des Bundesrechnungshofs. Demnach liegt die bundeseigene Autobahn GmbH bei der Modernisierung der Brücken in Deutschland deutlich hinter dem Zeitplan: Von den geplanten 280 Modernisierungen sind im Jahr 2024 lediglich 69 umgesetzt worden. Auch Tunnelsanierungen wie zum Beispiel am Elbtunnel oder im Süden der A8 sind längst überfällig und könnten durch das Infrastrukturpaket neuen Schwung erhalten.
Stetige Pflege im Auge haben
Zu den großen Sanierungsfällen in Deutschland zählt auch das Netz unter unseren Füßen. Kommunale Wasser- und Abwassernetze, viele in den 1950er- bis 1970er-Jahren gebaut, müssen ebenfalls erneuert werden, sonst drohen Kostenexplosionen durch Folgeschäden. Gleichzeitig wird der Ausbau digitaler Netze blockiert, wenn die Tiefbaukapazitäten anderweitig überlastet sind. Fest steht also: Gelingt es, die hohen Summen in den nächsten Jahren nicht in Ankündigungen, sondern in Ausschreibungen und Ausführungen zu überführen, kann das Infrastrukturpaket zum echten Konjunkturmotor für die Bauwirtschaft, die Gesellschaft und den Standort werden. Wenn die Wirtschaft sieht, dass Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufgebaut wird, werden Investitionen in zahlreichen Branchen die Folge sein.