Viele Unternehmen haben sich jahrelang von Plattform-KPIs leiten lassen. Zeichnet sich ein Wandel ab?
Ja, eindeutig. Die Phase der „digitalen Besoffenheit“ geht zu Ende. Über Jahre galt: Hauptsache Klicks, Views und günstige TKPs. Heute stehen viele Marketingverantwortliche stärker unter Effizienz- und Wirkungsdruck – und stellen fest, dass perfekte Zahlen in Dashboards nicht automatisch Markenaufbau, Vertrauen oder Kaufbereitschaft bedeuten. Wer nur kurzfristige Plattform-KPIs optimiert, riskiert, langfristig an Markenstärke zu verlieren. Deshalb rückt die Frage in den Vordergrund, welche Kanäle wirklich Wirkung entfalten. Audio profitiert davon, weil es Menschen in Alltagssituationen erreicht, in denen sie offen und vergleichsweise wenig abgelenkt sind – im Auto ohne Bildschirm, beim Kochen, beim Aufräumen. In diesen Momenten sind Menschen aufnahmefähig – und genau dort findet Audio statt.
Welche Bedeutung hat das Open Web bei dieser Entwicklung?
Eine zentrale. Die Diskussion um die künftige Architektur des digitalen Werbemarktes macht deutlich, wie riskant einseitige Abhängigkeiten von geschlossenen Plattformen sind. Marken brauchen Umfelder, in denen sie ihre Zielgruppen adressieren können, ohne sich vollständig den Logiken oder Metriken einzelner Ökosysteme zu unterwerfen. Das Open Web, also offene, journalistisch geprägte und kuratierte Angebote, kann hier ein Gegengewicht bilden. Wichtig ist dabei nicht nur die Reichweite, sondern auch die Qualität des Umfelds: Nutzerinnen und Nutzer bewegen sich in Umgebungen, in denen Inhalte geprüft, kuratiert und verantwortet werden – fern von betrügerischen Werbeumfeldern, sogenannten „Scam-Seiten“ oder künstlich erzeugten Reichweiten durch Bots. Audio spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle: Als reichweitenstarkes, markensicheres Umfeld, das häufig an redaktionelle Inhalte gekoppelt ist, bietet es Zugang zu echten Menschen in realen Nutzungssituationen.
Was treibt Sie persönlich an?
Mich fasziniert, wie stark Audio wirkt, obwohl es vermeintlich „nur“ im Hintergrund läuft. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Menschen erinnern sich an Botschaften, Stimmen und Geschichten, die sie nebenbei gehört haben, oft besser als an das, was sie flüchtig auf einem Screen gesehen haben. Gleichzeitig erlebe ich, wie sehr die Gattung in der öffentlichen Wahrnehmung noch hinter ihrer tatsächlichen Bedeutung zurückbleibt. Das motiviert mich, ihren Beitrag zur nächsten Entwicklungsstufe des Werbemarktes sichtbarer zu machen. Audio war nie Nische, sondern immer Kernmedium – von der Massenansprache bis zur präzisen Aktivierung. Wenn es gelingt, diese Stärke klar zu belegen und in zukunftsfähige Strukturen einzubetten, hat Audio gute Chancen, in der Next Economy tatsächlich zur Leitwährung im Mediamix zu werden.