Stefan Mölling, CEO von RMS Fotocredits RMS/Christina Körte
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Audiowerbung

"Audio wird zur Leitwährung im Mediamix"

Mehr denn je wird heute gehört: im Schnitt über 240 Minuten täglich von mehr als 50 Millionen Menschen. Radio und Online Audio begleiten den Alltag, schaffen Nähe und Vertrauen. RMS-CEO Stefan Mölling erklärt, warum dieses Umfeld zur strategischen Leitwährung im Mediamix wird – und was der Markt tun muss.

Von Kirsten Schade
· 2025

Kontakt

RMS. Der Audiovermarkter
Barmbeker Straße 4
22303 Hamburg
E-Mail: kirsten.schade@rms.de
Web: https://rms.de/

Erschienen in

Next Economy

am 15. Dezember 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Was ist eigentlich diese „Next Economy“? Im Kern ist sie die Idee einer Wirtschaftsweise, die nicht länger auf Kosten von Klima, Ressourcen und sozialem Zusammenhalt wächst, sondern stattdessen Wohlstand, Fairness und ökologische Grenzen zusammen denkt. Es geht um eine...
Porträt Stefan Mölling, CEO von RMS
Stefan Mölling, CEO von RMS. Fotocredits RMS/Christina Körte
Radio gilt manchen als oldschool, gleichzeitig nutzen Millionen Menschen Audio täglich. Wie passt das zusammen?

Audio ist für viele ständiger Begleiter und Vertrauensmedium. Es liefert Information, Struktur und Vertrautheit im Alltag. Man hört im Auto, in der Küche, beim Frühstück, beim Sport oder unterwegs. Oft läuft Audio scheinbar nebenbei – und ist doch präsent. Gleichzeitig hat sich Audio stark ausdifferenziert: Neben klassischem Radio gewinnen Online-Streams und Podcasts zunehmend an Bedeutung. Aus Werbesicht ist Audio dennoch klar unterkapitalisiert: Trotz hoher täglicher Nutzung liegt der Marktanteil bei rund sechs Prozent, angemessen wären im Verhältnis zur Nutzung eher zehn bis fünfzehn Prozent. Diese Lücke zeigt, wie groß das Wachstumspotenzial ist.

Woher soll das zusätzliche Wachstum kommen?

Zum einen aus der stärkeren Nutzung dessen, was klassisches Radio seit Jahrzehnten liefert: schnelle Reichweite, hohe Kontaktfrequenzen, starke Erinnerungswerte. Audiowerbung ist in vielen Märkten eines der effizientesten Instrumente, wenn es darum geht, Bekanntheit aufzubauen und Markenbilder zu schärfen. Zum anderen wächst Digital Audio – also Streams, Webradio, Podcasts oder adressierbare Audio-Umfelder –, weil es Reichweite in relevanten Umfeldern mit zielgenauer Aussteuerung verbindet. Entscheidend wird sein, diese Welten nicht mehr getrennt zu denken. Wer lineares und digitales Audio integriert plant, kann Kampagnen so orchestrieren, dass in der Breite Präsenz entsteht und gleichzeitig bestimmte Zielgruppen vertieft angesprochen werden. Für viele Unternehmen bedeutet das auch: Audiowerbung darf nicht länger als Nebenkategorie behandelt werden, sondern sollte als strategische Säule im Mediamix gedacht werden.

Was bedeutet das sogenannte Programmatic Radio für den Markt?

Es steht für einen Systemwechsel, der über technische Details hinausgeht. Wenn lineares Audio programmatisch buchbar wird, können Budgets, die bislang fast ausschließlich über digitale Plattformen laufen, in einem neuen Umfeld eingesetzt werden – automatisiert, datenbasiert und flexibel. Gleichzeitig ist Radio technisch komplexer als ein Webstream: Es geht um verlässliche Aussteuerung im laufenden Programm, um regionale Differenzierungen und um redaktionelle Umfelder, die geschützt werden müssen. Für den Markt bedeutet das: Programmatic Radio muss stabil und transparent funktionieren, sonst leidet das Vertrauen in die Gattung. Deshalb hat Verlässlichkeit Vorrang vor Geschwindigkeit. Nicht der Schnellste setzt sich durch, sondern der, dem man am meisten vertraut.

Porträt Stefan Mölling, CEO von RMS
Stefan Mölling, CEO von RMS. Fotocredits RMS/Christina Körte
Viele Unternehmen haben sich jahrelang von Plattform-KPIs leiten lassen. Zeichnet sich ein Wandel ab?

Ja, eindeutig. Die Phase der „digitalen Besoffenheit“ geht zu Ende. Über Jahre galt: Hauptsache Klicks, Views und günstige TKPs. Heute stehen viele Marketingverantwortliche stärker unter Effizienz- und Wirkungsdruck – und stellen fest, dass perfekte Zahlen in Dashboards nicht automatisch Markenaufbau, Vertrauen oder Kaufbereitschaft bedeuten. Wer nur kurzfristige Plattform-KPIs optimiert, riskiert, langfristig an Markenstärke zu verlieren. Deshalb rückt die Frage in den Vordergrund, welche Kanäle wirklich Wirkung entfalten. Audio profitiert davon, weil es Menschen in Alltagssituationen erreicht, in denen sie offen und vergleichsweise wenig abgelenkt sind – im Auto ohne Bildschirm, beim Kochen, beim Aufräumen. In diesen Momenten sind Menschen aufnahmefähig – und genau dort findet Audio statt.

Welche Bedeutung hat das Open Web bei dieser Entwicklung?

Eine zentrale. Die Diskussion um die künftige Architektur des digitalen Werbemarktes macht deutlich, wie riskant einseitige Abhängigkeiten von geschlossenen Plattformen sind. Marken brauchen Umfelder, in denen sie ihre Zielgruppen adressieren können, ohne sich vollständig den Logiken oder Metriken einzelner Ökosysteme zu unterwerfen. Das Open Web, also offene, journalistisch geprägte und kuratierte Angebote, kann hier ein Gegengewicht bilden. Wichtig ist dabei nicht nur die Reichweite, sondern auch die Qualität des Umfelds: Nutzerinnen und Nutzer bewegen sich in Umgebungen, in denen Inhalte geprüft, kuratiert und verantwortet werden – fern von betrügerischen Werbeumfeldern, sogenannten „Scam-Seiten“ oder künstlich erzeugten Reichweiten durch Bots. Audio spielt in diesem Kontext eine besondere Rolle: Als reichweitenstarkes, markensicheres Umfeld, das häufig an redaktionelle Inhalte gekoppelt ist, bietet es Zugang zu echten Menschen in realen Nutzungssituationen.

Was treibt Sie persönlich an?

Mich fasziniert, wie stark Audio wirkt, obwohl es vermeintlich „nur“ im Hintergrund läuft. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Menschen erinnern sich an Botschaften, Stimmen und Geschichten, die sie nebenbei gehört haben, oft besser als an das, was sie flüchtig auf einem Screen gesehen haben. Gleichzeitig erlebe ich, wie sehr die Gattung in der öffentlichen Wahrnehmung noch hinter ihrer tatsächlichen Bedeutung zurückbleibt. Das motiviert mich, ihren Beitrag zur nächsten Entwicklungsstufe des Werbemarktes sichtbarer zu machen. Audio war nie Nische, sondern immer Kernmedium – von der Massenansprache bis zur präzisen Aktivierung. Wenn es gelingt, diese Stärke klar zu belegen und in zukunftsfähige Strukturen einzubetten, hat Audio gute Chancen, in der Next Economy tatsächlich zur Leitwährung im Mediamix zu werden.